„Ein Gespenst geht um in Europa“, würden wir gerne sagen. Tatsächlich scheint das Gespenst vertrieben und der „Sozialismus des dummen Kerls” an seine Stelle getreten zu sein. Den antisemitischen Ungeist, den aufmerksame Beobachter seit geraumer Zeit in der politischen Linken erkennen können, wurde bereits vielfach beschrieben. Wir haben die wesentlichen Argumente dieser Diskussion um die künftige Ausrichtung der politischen Linken in neun Thesen zugespitzt. Denn eins ist klar: Es gibt kein Vergeben und kein Vergessen. Wir werden nicht vergessen, wer sich dem antisemitischen Mob andiente und wer die globale Intifada mittrug.
1. Die politische Linke hat sich in einen faustischen Pakt mit pro-palästinensischen Nationalisten und Islamisten verstrickt. Sie lässt sich von Confirmation Bias und einseitiger Berichterstattung leiten. Als Resultat daraus verstärken die ideologischen Staatsapparate ihre Massensuggestion und fördern damit die mangelnden Medienkompetenzen in der politischen Linken.
2. Aus einem autoritären Konformismus heraus sucht die politische Linke ihr Heil darin, „auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen” und verengt damit die materialistische Welt auf ein manichäisches Gut-und-Böse-Schema. Sie betreiben einen Staatsfetischismus auf Widerruf: Solange der Staat dem eigenen Narrativ dient, wird er als notwendiges Übel gefeiert; andernfalls wird er als faschistisches Konstrukt verworfen.
3. Die politische Linke klammert sich im absoluten Obrigkeitsglauben an das Etikett vermeintlicher „Genozidforscher“ und erhebt Wissenschaftsgläubigkeit zur Ersatzreligion. Dadurch wird eine Expertokratie legitimiert, die jede abweichende Stimme moralisch und politisch delegitimiert – in direkter Verlängerung des autoritären Konformismus.
4. Insbesondere die politische Linke projiziert ihre revolutionäre Utopie auf Palästina und verklärt dessen Befreiung zur Voraussetzung der eigenen Emanzipation, als ob erst mit einem „freien Palästina” die ganze Welt erlöst werden könnte. Bei kritisch-utopistischen Sozialisten und Kommunisten führt dieses Unwesen zur Kränkung und der Abkehr von der kommunistischen Utopie, statt zu einer Hinwendung an diese.
5. Die politische Linke hat ihre einst tragenden Grundsätze – von der Solidarität mit Opfern sexualisierter Gewalt bis zur radikalen Staatskritik – aus den Augen verloren. Was früher, bis hin zur Roten Armee Fraktion, im Glauben an die Notwendigkeit der Konfrontation und mitunter durch Terror hervorgerufen werden sollte, verkommt heute zu folgenlosen Sonntagsreden und Prügeleien mit Polizisten.
6. Die Subjekte jener Gruppen, Produkte der politischen Spaltung, erweisen sich zunehmend als unfähig, Kritik an der Sache zu formulieren oder selbstreflexiv auszuhalten. Stattdessen ersetzen sie argumentatives Denken durch die Emotionalisierung des Politischen – ein kalkuliertes Spiel mit Effekten, das sich an der gegenwärtigen Aufmerksamkeitsökonomie orientiert: Reflexion wird durch Effekthascherei verdrängt.
7. Für sie steht längst nicht mehr die kollektive Befreiung im Vordergrund, sondern die Selbstdarstellung. Dabei schwanken die Inszenierungen zwischen „White Saviorism“, pauschalen Feindbildern und falschen Annahmen einerseits sowie idealtypischen Projektionen andererseits. Wer sich heute der politischen Linken anschließt, wird dies aus einem jener Gründe tun und nicht, weil Leid nicht mehr sein soll.
8. Der faustische Pakt, den die politische Linke mit ihren palästinensisch-islamischen Partnern geschlossen hat, kulminiert im geteilten Antisemitismus. Der Wunsch, das Partikulare auszulöschen, verbindet sich mit pathischer Projektion und der Abwehr eigener destruktiver Wünsche, die auf „den Juden” verlagert werden – ein altbekanntes Muster, das im neuen Gewand der Solidarität mit Palästina wiederkehrt.
9. In Todeskult und unterschiedsloser Fortschrittsfeindschaft zeigt sich schließlich der letzte Fluchtpunkt: der insgeheime Wunsch nach Selbstvernichtung, projiziert auf Israel, den Westen und die koloniale Vergangenheit der eigenen Nation – eine destruktive Sehnsucht, die den antisemitischen Mustern aus These 8 entspricht. Eine befreite Gesellschaft, also eine kommunistische, ist mit ihnen nicht möglich.

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