Dieser Text wurde Anfang 2025 verfasst. Auch wenn sich Teile der Linken wieder anderen Themen als dem Kampf gegen Israel widmen und die beschrieben Umtriebe daher abnehmen, halten wir es für wichtig, das Ausmaß an Irrsinn und Verkommenheit zu dokumentieren, das die Antizionisten in den letzten zwei Jahren zur Schau gestellt haben.
– I –
“Wir wissen, dass das Morden in Palästina nicht loszulösen ist von der Mitschuld, der Kriegstreiberei und der Profitgier unserer eigenen Ausbeuter. Wir wissen, dass der ungebrochene Widerstand in Palästina Ausdruck der Stärke und der Würde unserer Klasse ist. Wir wissen, dass wir unseren Kampf über alle Landesgrenzen hinweg kämpfen müssen, um uns als weltweite Arbeiterklasse von Krieg und Besatzung befreien zu können und wirklichen Frieden zu erreichen. Wir wissen, dass es genau diese Erkenntnis, diese Einheit ist, die unsere Herrschenden mit aller Macht zu unterdrücken versuchen, weil sie sich ihrer Gefahr bewusst sind. Wir wissen deswegen umso mehr, dass wir uns davon nicht aufhalten lassen.”
Wo auch immer die palästinensische Arbeiterschaft zu sehen sein sollte und wer auch immer das “Wir” in diesem Zitat ist: Die Kommunistische Organisation übersieht hier stellvertretend für viele ein zentrales Motiv der Palästinenser-Bewegung. Max Horkheimer erkannte hingegen früh, dass es „[d]ie Aufgabe” sei, „anstelle der Solidarität des Proletariats … die Solidarität der Menschen zu schaffen, die dem Tode gegenüberstehen“.[1] Die falsche Solidarität der internationalen Palästinenserbewegung lässt jedoch nicht Leid beredt werden, sondern verwertet den Tod und begräbt die Möglichkeit politischen Handelns.
Sich als pro-palästinensisch gerierende Bewegungen betreiben nicht erst seit dem 07. Oktober 2023 eine perfide Verwertung des Sterbens: Der Tote erhält keine Totenruhe. Stattdessen erfährt er als toter Leib eine letzte propagandistische Verwertung und kann in der geistigen Volksgemeinschaft einen höheren Wert erhalten, als er ihn noch zu Lebzeiten hatte.[2] Dies hat ideengeschichtliche und ideologische Gründe.
– II –
“Wo, wie heute etwa im Libanon, die Hisbollah oder, im Gazastreifen, die Hamas herrscht, ist an die Stelle von Gesellschaft – einem Verbund von Menschen zur Selbsterhaltung – ein Gangland getreten, wo unter Berufung auf den glorreichen Islam eine Produktion des Todes und des prospektiven Untergangs installiert wurde; d.h. alle Einrichtungen, die üblicherweise der Erhaltung des Lebens dienen […] sind hier »umgepolt« worden, und dienen ebenso als Rückzugsgebiete wie als Vorposten im unaufhörlichen Kampf gegen den Universalfeind, den man in den Juden und ihrem Staat ausgemacht hat. Die »sozialstaatlich«-caritativen Maßnahmen der Islamnazis und ihr antijüdischer Vernichtungsfeldzug sind zwei Seiten derselben Medaille: einer Ökonomie der Vernichtung, die von militanten Sekten betrieben wird, deren Anführer die Gefolgschaft mit mildtätigen Gaben in Geiselhaft und bei Laune halten, um sie im Zweifelsfall bedenkenlos zu opfern.”[3]
Alltägliche Beobachtungen, die verstärkt seit dem 07. Oktober 2023 gemacht wurden, deuten auf einen spezifischen politischen Charaktertypus hin, der sich nicht erst in den Protestcamps der selbsternannten Palästina-Bewegung formierte. Das sublime, aber omnipräsente Motiv, das dem ganzen postkolonial antrainierten Schwachsinn von Genozid, Besatzung und Kolonialismus zugrunde liegt, ist der Tod. Diese hier als Todesmetaphorik beschriebene Form der antisemitischen Projektion kann in unterschiedlicher Stärke in jenen aktionistischen Charaktertypen der Palästina-Bewegungen wiedergefunden werden.[4] Die Grundannahme der weiteren Ausführungen lautet deshalb folgendermaßen: Der im islamapologetischen Milieu der Protestcamper vorherrschende spezifisch politische Charaktertypus greift in seiner Agitation auf ein zentrales Thema zurück, das ideengeschichtlich explizit in der Tradition der deutschen Ideologie und ihres geistigen Abkömmlings, des djihadistischen politischen Islam, steht.
Die Bestimmung des Gegners darf sich dabei nicht auf die (abstrakte und folgenlose) Identifizierung der palästinensischen Volksgemeinschaft und ihrer Avantgarde (Hamas etc.) beschränken, sondern muss auch das Milieu ins Visier nehmen, das ihre 5. Kolonne in den westlichen Gesellschaften darstellt. Zu analysieren und zu deuten sind die “falschen Propheten”[5], die sich nach dem Märtyrertod sehnen oder ihn kultisch-rituell allwöchentlich in Form einer Inszenierung vorwegnehmen, was auf einen Manichäismus von tot und noch nicht tot hinweist. Sei es durch die Darstellung von Kinderblut, dem Reenactment der Ermordung zweier israelischer Soldaten[6] oder in der Floskel “From the river to the sea, …”, hinter der sich die Vernichtungsfantasie verbirgt.
Ein weiterer Aspekt dieser Todesmetaphorik muss in der Selbstkasteiung gesehen werden, die sich im postmodernen, narzisstischen Subjekt manifestiert, seine egoistischen Interessen externalisiert, das Opfer heroisiert (z.B. im unschuldigen Kind) und damit den eigenen Egoismus abzuwehren sucht. Die psychischen Dispositionen des Einzelnen greifen mit dem politischen Problem einer Bewegung ineinander, deren politisches Selbstverständnis im Manichäismus von Tod und Nicht-Tod seinen Ausdruck findet. Solch eine Bewegung ist zum politischen Handeln unfähig, ihre Ohnmacht ist schlechtes Abbild der verdammenswerten Gesellschaft.
Wer nur an den Tod denkt, wird sein Tun danach richten, ihn Realität werden zu lassen. Wer dort unwidersprochen mitgeht, legitimiert die Todessehnsucht der sich zunehmend in diesen Kreisen ausbreitenden Hasser ‚des Westens‘. Tod als höchstes Ziel des Politischen, Tod dem Westen und den Juden als praktische Konsequenz dieses Denkens.
– III –
“Wetzt die langen Messer auf dem Bürgersteig. Laßt die Messer flutschen in den Judenleib […] kommt einst die Stunde der Vergeltung, sind wir zu jedem Massenmord bereit.”[7]
“Wer eine Waffe hat, soll damit Juden erschießen oder sie der Hamas übergeben.”[8]
Wer in den vergangenen Monaten die Horte akademischer Betriebsamkeit oder eine propalästinensische Demonstration beobachtete, war regelmäßig mit besonders unappetitlichen Inszenierungen konfrontiert. Politisches Handeln ist für Demonstrierende wie Studierende die aktive Verunstaltung der ihnen entfremdeten Welt, die sich ganz nach ihren Vorstellungen zu richten habe. Nach dem 7. Oktober bedeutet dies augenscheinlich eine Welt ohne die als ungerecht empfundenen Juden oder zumindest ohne Israel einzurichten. Zuletzt auch – wie das zweite Zitat oben verdeutlicht – gerne unter Nutzung von Waffengewalt. Dementsprechend beunruhigend ist auch das, was sich vor den Toren der Hochschulen abspielt: Frenetischer Irrsinn, dessen Träger sich in Palästina-Verschleierung und Regenbogenfahnen gehüllt als ausführende Organe des postkolonialen Empowerments imaginieren. In der Darstellung des Todes, der Zerstörung menschlichen Lebens, der damit zusammenhängenden totalitären Lüge palästinensischer Propaganda, zielen die Repräsentanten eben jener Todesmetaphorik auf die Herstellung eines Opferkults. In dessen Mittelpunkt steht die Aushöhlung des Politischen und damit der Vorstellung gesellschaftlichen Zusammenlebens abseits völkischer Identitäten. Wer an so einem Protestcamp, einer Kundgebung oder Demonstration gegen Genozid in Gaza vorbeigeht, kommt bei den Bildern, die dort transportiert werden, schnell zum gleichen Schluss wie der kleine Cole Sear (Haley Joel Osment), der einst zu seinem Therapeuten Malcolm Crowe (Bruce Willis) in The Sixth Sense sagte: ‘Ich sehe tote Menschen.’
Im selbstmörderischen Angriff der Hamas und der spontan gebildeten Freiwilligenverbände sonstiger Gazabewohner, in der Umbenennung eines Hochschulgebäudes nach einem toten Mädchen, in der inszenierten gewaltpornographischen Darstellung propagandistischer Lügen, in den Drohungen gegen diejenigen, die auf das Leben trinken (L’CHAIM!), schwebt das überhängende Motiv der Todesfixierung mit. Diese wächst sich praktisch zur Bedrohung von Freiheit, Emanzipation und letztlich dem liberalen Glücksversprechen aus, wie sie zugleich ein Ausdruck von deren Verfall ist.
Das Heideggersche Sein-zum-Tode findet daher seinen zeitgenössischen Ausdruck in der Losung der Hamas, die ihrem ideologischen Gehalt nach auch für ihre westlichen Apologeten handlungsleitend ist: ‘Gott ist ihr Ziel, der Prophet ihr Vorbild, der Koran ihre Verfassung, der Dschihad ihr Weg und der Tod für Gott ihr hehrster Wunsch.’
Dass der Tod für Allah nicht für alle Palästinacamper unmittelbar erstrebenswert ist, kann nicht als Gegenbeweis gelten. Denn das übergeordnete ideologische Motiv, unter dem sich Islamfaschisten, postmodern verblendete Drittsemester, friedensbewegte Altlinke, Gen-Z Stalinisten und apokalyptische Klimaretter versammeln, ist zwar nicht Gott, aber das der unbedingten Opferbereitschaft im Dienst der höheren Sache, die Selbstaufgabe zum Zweck der Erlösung, welche selbst Modus Operandi des auf Vernichtung zielenden Antisemitismus von Hamas und Konsorten sind.
– IV –
“[…] es geht um nichts Geringeres als um die unaufschiebbare Besinnung darauf, daß wir vor der Wahl stehen, unserem deutschen Geistesleben wieder echte bodenständige Kräfte und Erzieher zuzuführen oder es der wachsenden Verjudung im weiteren u. engeren Sinne endgültig auszuliefern.”[9]
“Der Aufstand vom 7. Oktober war ein Akt des bewaffneten Widerstands. Es war kein terroristischer Angriff und keine antisemitische Attacke.”[10]
Die theoretische Verortung der postkolonialen Aktivisten und Hamas-Sympathisanten lässt sich in Bezug auf die gesellschaftliche Repräsentanz ihrer Charakter-Typen ideengeschichtlich fixieren. Nicht ohne Grund ist Martin Heidegger implizit dort anzutreffen, wo im Schwadronieren über Kolonialismus und die indigene palästinensische Bevölkerung die Attacke auf das vermeintlich nicht-authentische (uneigentliche) Leben verborgen liegt, selbst wenn dies – wie bei Butler etwa – ex negativo geschieht. Poststrukturalistische Denker essentialisieren die Nicht-Identität. Der Westen und das »künstliche Konstrukt« Israel werden zu Symbolen einer letztlich als widernatürlich vorgestellten Ordnung, deren Repräsentanten, die Juden, nach Butler unzeitgemäß, “unethisch” im “identitären Projekt” Israel verharren würden.[11] Heidegger ist Spiritus rector der postkolonialen und queerfeministischen Theorien, weil er – wie es heute heißt – als Teilnehmer am identitätspolitischen Diskurs das Verwerfen des inauthentischen Lebens begründete.
Es ist im Sinne Heideggers, den Tod als „Möglichkeit der Möglichkeiten“ zu begreifen, was dann auch für seine Mortalitäts-Freunde bedeutet, die Auseinandersetzung mit dem Tod als tiefes Verständnis des Lebens in Beziehung zum Dasein zu setzen. Dieses tiefe Verständnis des Lebens bedeutet authentisch im Kollektiv aufzugehen, was für Heidegger der Nationalsozialismus in Reinform war und heute ganz im Sinne seiner geistigen Verwandten als autochthones Leben propagiert wird.[12]
Für Heidegger ist das authentische Leben, das Dasein – was mehr als reine Subjektivität sei – nur unter dem Bann der Endlichkeit zu denken: “Der Tod, als der Schrein des Nichts, birgt in sich das Wesende des Seins. Der Tod ist als der Schrein des Nichts das Gebirg des Seins.”[13] Die Mortalität ist nach Heidegger die Grundlage des Daseins, das “Sein zum Ende”.[14] In der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit soll das authentische Leben erreicht werden, dafür notwendig sei – an dieser Stelle wird es politisch – die “Entschlossenheit” zur “Selbstaufgabe”.[15] Mittels einer komplett verwahrlosten Fokussierung auf die Mortalität, die unter Absehung vom bei Heidegger zumindest noch vorhandenen grundlegend individuellen Dasein vonstatten geht, richtet sich die identitäre Antisemitenbewegung im kollektivistischen Akt für das erlösende Martyrium selbst zu.
So wie Adorno in der Negativen Dialektik insbesondere den gesellschaftlichen Charakter des Sterbens hervorhob und damit eine wichtige Kritik an dem »individuellen« Sein-zum-Tode bei Heidegger formulierte[16], muss auch in der Gegenwart dessen gesellschaftlicher Charakter hervorgehoben werden. Weil Menschen in der kapitalförmigen Vergesellschaftung leben, gilt Adornos Kritik an Heidegger und damit an allen Formen dieser Todesmetaphysik schlechthin: Heidegger betrachtet das „Man“ als abstrakte Fremdbestimmung, ohne zu analysieren, wie die gesellschaftlichen Strukturen des Kapitalismus oder Klassenverhältnisse diese Fremdbestimmung konkret hervorbringen. Indem Heidegger die Subjektivität, das Dasein, als primären Gegenstand entkoppelt, lenkt er von den historischen und materiellen Bedingungen des Lebens ab. Adorno sieht in Heideggers Denken eine Tendenz zur Affirmation bestehender Machtstrukturen, da es das Leiden der Einzelnen nicht als Produkt gesellschaftlicher Verhältnisse, sondern als existenzielle Grundbedingung darstellt.
Sowohl bei Heidegger als auch bei dessen Nachfolgern ist der Tod die „Möglichkeit der Möglichkeiten“, die Grenze des Daseins, also des Menschen. Damit besteht aus und in der philosophischen Betrachtung ein praktisches Problem. Der Tod als die „Möglichkeit der radikalen Nichtigkeit“, ragt in eine gesellschaftspolitische Sphäre hinein, die durch eben jene postmodernen und identitätsphilosophischen Adepten repräsentiert wird, die, beginnend bei Butler und Said, den kategorischen Imperativ der Zuarbeit zur Vernichtung des inauthentischen Lebens aufgerichtet haben. Die Palästina-Bewegung, vereint unter dem Banner dieses Todeskultes, reproduziert allein qua ihrer Denktradition, die ihnen selbst nicht bekannt sein muss, den Antisemitismus und vergesellschaftete Strukturen, indem sie ihre Weltanschaung essentialisiert und sie als Faktum behandelt.[17]
Links-progressive Hamas-Freunde benehmen sich, als würde es ein authentisches Leben geben, welches durch die Vernichtung Israels und in letzter Konsequenz der Juden erreicht werden könnte. Die Gefahr, die von diesen »emanzipatorischen« Gruppen ausgeht, muss ernst genommen und die politische Feindschaft nicht dadurch verwaschen werden, dass von einer sozialen Praxis des diskursiven Miteinanders ausgegangen wird.
Wer zwecks Agitation ein Planschbecken mit Kunstblut füllt, um damit den angeblichen Genozid Israels anzuprangern, zeigt vor allem seine eigene Verrohung, anstatt eine aufklärerische politische Tat zu vollbringen. Mit solchen Menschen ist nicht mal der Erhalt der bestehenden falschen Gesellschaft zu machen, geschweige denn eine irgendwie auf Emanzipation und Befreiung ausgerichtete Politik. Mit der wesentlich damit zusammenhängenden Frage, warum Menschen denn mit all ihren Gefühlen und Vorstellungen in so einer menschenfeindlichen Welt leben wollen, sollte insbesondere die erfahrungsresistente dort mit marschierende Vorfeldorganisation der Islamfaschisten, die postkoloniale Linke, konfrontiert werden.
[1] Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften, Band 7, S. 371.
[2] Die deutsche Ideologie repräsentiert hier eine perfide Verkehrung, insofern die Sinnstiftung am Opfer der, wie Joachim Bruhn in einem anderen Kontext zurecht hinwies, “deutschen Linken in keiner Weise auszutreiben” sei. Alles stirbt aus dieser halbgaren Weltanschauung zu einem höheren Zweck, wodurch das Leid zum Instrument einer sich als politisch darstellenden Auseinandersetzung wird. Dass es sich hierbei um eine kapitalförmige Verwertung des Leibs handelt, scheint den ansonsten so anti-kapitalistisch auftretenden Israel-Hassern nicht einzuleuchten. Bruhn, Joachim: Das Antideutsche im Kommunismus, in: Sans Phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, Heft 19, Winter 2021/2022, Freiburg 2022, S. 32 – 47, hier: S. 37.
[3] Nachtmann, Clemens: Identitätspolitik oder: Wie man lernt, sich selbst einsperren und das Gefängnis zu lieben, in: casa blanca. Texte zur falschen Zeit, 2/2024, Würzburg 2024, S. 13-21, hier: S. 20.
[4] Dieser Repräsentantentypus kann sowohl in den akademischen Postcolonial Studies, im Queerfeminismus, in den anti-imperialistischen, marxistisch-leninistischen Splittergruppen und den anderen sich islamfaschistischen Gruppierungen anbiederungen Aktionisten gefunden werden.
[5] Löwenthal, Leo: Falsche Propheten. Studien zum Autoritarismus, Schriften 3, Frankfurt am Main 1990.
[6] Die Lynchmorde zweier israelischer Reservisten in Ramallah 2000 führt heutzutage innerhalb der Palästina-Bewegung zu einer affirmativen Bestätigung des vermeintlichen Widerstandes gegen die “Besatzer”. In szenisch-kultischen Wiederholungen färben sich Studierende und andere Protestierende in der Uni und auf der Straße, die Hände rot, um damit den Massenmord an Jüdinnen und Juden spielerisch zu antizipieren. Zu den Lynchmorden: https://en.wikipedia.org/wiki/2000_Ramallah_lynching [zuletzt aufgerufen: 09.02.2025].
Wie wenig der Mord an Jüdinnen und Juden moralisch oder politisch die Palästina-Bewegungen interessiert, hat sich seit dem 07. Oktober verdeutlicht. Ingo Elbe arbeitet in seinem Buch den ideengeschichtlichen Unwillen dieser postkolonialen Aktivisten heraus, Juden grundsätzlich als Menschen anzuerkennen, sie verschwimmen zum “Universalismus” und, wie etwa bei Alain Badiou, zu einer linken “Judenfrage”: Elbe, Ingo: Antisemitismus und Postkoloniale Theorie. Der progressive Angriff auf Israel, Judentum und Holocausterinnerung, Berlin 2024, S. 180 ff.
[7] Gamm, Hans Jochen: Der braune Kult. Das Dritte Reich und seine Ersatzreligion. Ein Beitrag zur politischen Bildung, Hamburg 1962, S. 137. Hierbei handelt es sich um eine SA-Umdichtung des sogenannten Heckerlieds, das sie unter anderem anlässlich der Machtübergabe am 30.01.1933 sang. Die Anstiftung und Bereitschaft zum Massenmord an Juden ist in diesem und dem im folgenden Zitat aufgegriffenen Fall gleich.
[8] Parole auf einer Anti-Israel-Demo am 1. Februar in Berlin. Dazu ausführlich der lesenswerte Kommentar von Ralf Balke unter: https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/das-erdrueckende-schweigen-der-anstaendigen-beim-thema-antisemitismus/ [zuletzt aufgerufen: 08.02.2025].
[9] Martin Heidegger an Victor Schwoerer: https://www.zeit.de/1989/52/die-verjudung-des-deutschen-geistes/seite-2 [Zuletzt aufgerufen: 09.02.2025]. Hinter einer Paywall versteckt.
[10] https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/judith-butler-ist-nicht-irgendwer/ [Zuletzt aufgerufen: 09.02.2025].
[11] So argumentiert dann in etwa auch Judith Butler, wenn sie über die identitäre Setzung der Juden “nachdenkt”: El Helou, Chantalle: Die Vordenkerin des queeren Antizionismus. Von Judith Butlers Prägung der Queer Theory zur Dekonstruktion des jüdischen Staates, in: Vukadinović, Vojin Saša (Hrsg.): Siebter Oktober Dreiundzwanzig. Antizionismus und Identitätspolitik, Berlin 2024, S. 262 – S. 301, hier: S. 266ff.
[12] Als ein aufmerksamer Leser Heideggers entpuppt sich beispielsweise Butlers Doktorvater Emmanuel Levinas, für den der Tod bedeutet, in Beziehung zu anderen zu treten, etwa in der Verantwortung für das Sterben des Anderen oder eben auch im Tod als höchste Form des Daseins. Nicht unwesentlich ist Levinas Ausführung für Judith Butlers als zu scheitern angesehener Versuch der Bestimmung der Juden. Vgl. El Helou, Chantalle: Die Vordenkerin des queeren Antizionismus. Von Judith Butlers Prägung der Queer Theory zur Dekonstruktion des jüdischen Staates, in: Vukadinović, Vojin Saša (Hrsg.): Siebter Oktober Dreiundzwanzig. Antizionismus und Identitätspolitik, Berlin 2024, S. 262 – S. 301, hier: S. 269.
[13] Heidegger, Martin: Einblicke in das was ist, in: Heidegger, Martin: Bremer und Freiberger Vorträge, Frankfurt am Main 2005, S. 18.
[14] Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen 1967, S. 305. Hervorhebung im Original.
[15] Vergleiche dazu in etwa die Ausführungen in Sein und Zeit: Der Tod ist eine “Seinsmöglichkeit des Daseins”. Dazu Heidegger ausführlicher: “Frei für die eigensten, vom Ende her bestimmten, das heißt als endliche verstandenen Möglichkeiten, bannt das Dasein die Gefahr, aus seinem endlichen Existenzverständnis her die es überholenden Existenzmöglichkeiten der Anderen zu verkennen oder aber sie mißdeutend auf die eigene zurückzuzwingen – um sich so der eigensten faktischen Existenz zu begeben. Als unbezügliche Möglichkeit vereinzelt der Tod aber nur, um als unüberholbare das Dasein als Mitsein verstehend zu machen für das Seinkönnen der Anderen.” Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen 1967, S. 264.
[16] Daran anknüpfend formulierte Joachim Bruhn seine Kritik am Leib des Staatsbürgers, über den der Staat das Monopol über das Sterben des Staatsbürgers innehabe.
[17] Was einst als Kritik der deutschen Ideologie von Marx geprägt wurde, trifft auf diesen Todeskult heute auch noch zu: Die fehlende Erkenntnis, dass ihre Protestform und ihre geistige Erbschaft gesellschaftliche Produkte sind und bleiben(!), das heißt einem Bedürfnis der Produktion des Menschen selbst entspringen, kann nicht durch postkolonialen Argumentationen, mit denen sie ihr Arbeiten an der Vernichtung Israels verhüllen, erkennt man die fantastische Vorstellung des authentischen Daseins, was einer identitätspolitischen Setzung gleichkommt, aufgehoben werden, schon gar nicht durch einen vermeintlichen Widerstandskampf. Betrachtet man die das Gewand der deutschen oder wahren Sozialisten, wie Marx und Engels es charakterisierten: “gewirkt aus spekulativem Spinnweb, überstickt mit schöngeistigen Redeblumen, durchtränkt von liebesschwülem Gemütstau, dies überschwengliche Gewand, worin die deutschen Sozialisten ihre paar knöchernen ‚ewigen Wahrheiten‚ einhüll[en]„. MEW 4, S. 487.

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