Jugend hin zum Materialismus! An die Antifa Jugend Aachen.

Die örtliche Nachwuchsantifa ist angekommen. Nachdem wochenlang die Salamitaktik angewendet wurde, werden nun im Einklang Volks- und Wahlpalästinensern die ganz großen Geschütze Richtung Israel gerichtet. Es tönt “unverhältnismäßig”, “verbrecherische Kriegsführung”, “Völkermord” und “Genozid”. Müßig im Einzelnen zu belegen, warum die Vorwürfe haltlos sind: der Antisemitismus ist nicht an seinem Objekt, sondern an seinem Träger zu erkennen und zu denunzieren. Ein pikantes Detail ist in dem israelfeindlichen Statement des Antifanachwuchses jedoch enthalten: Man hat offensichtlich gut zugehört bei den periodischen Einführungsvorträgen zu Antisemitismus, dem antideutschen Lamentieren über den sekundären Antisemitismus und außerdem die Bildungsbroschüren der Amadeu Antonio Stiftung und sonstiger Verdummungsagenturen aufmerksam gelesen. Verräterisch bleibt dennoch die Rede von den “jüdischen Mitbürger*innen”, die überführt, wessen Geistes die Schreiberlinge sind: Denn es impliziert, Juden seien immer nur geduldete Gäste der ‘indigenen Bevölkerung’. Die sprachliche Demarkierung des Anderen ist damit vollendet. Die Kritik am israelbezogenen Antisemitismus kann im nächsten Schritt als Feigenblatt benutzt werden, um schamlos Partei für den antijüdischen Feldzug zu ergreifen, der sich von Rafah bis hin zum Palästinensercamp der RWTH abspielt:

“Es ist erschreckend [sic!] dass Jüdinnen und Juden wieder vermehrt Angst im Alltag haben müssen [sic!] weil sie für die Taten der israelischen Regierung verantwortlich gemacht werden.”

Die Identifizierung der Antisemiten bleibt aus, weil die Kritik des Antisemitismus der Antifajugend erstens mangelhaft ist und zweitens lediglich als Vorwand vorangestellt wird. Der Terminus “Taten”, der offensichtlich aufgrund seiner bürgerlich-juristischen Implikationen gewählt wurde, dient dazu, nachholend den Keil einzutreiben, auf den zuvor bereits verbal eingedroschen wurde, als die hegemonialen Phrasen der israelfeindlichen – vulgo palästinasolidarischen – Bewegung wiederholt wurden. Ihrer sozialen Herkunft treu bleibend und im Einklang mit ihren sonstigen Ergüssen, präsentiert die Antifa Jugend ihren unmaterialistischen und idealistischen Standpunkt auch in Bezug auf den Antiterroreinsatz in Gaza. So wollen sie in narzisstischer Selbstüberhöhung “alle Anzeichen eines Völkermordes” erkennen – warum auch immer irgendwer auf ihre politische Selbstüberhöhung hören sollte – und bemängeln ein angebliches Schweigen Deutschlands. Antifaschismus heißt hier wohl, Deutschland wieder zum Sprechen zu bringen, damit es wortgewaltig ‘dem Juden unter den Staaten’ die Leviten in anti-genozidaler Absicht liest. 

Mit “Deutschland halts Maul” – manchem AZ-Gänger vielleicht noch bekannt – ist es hier offensichtlich vorbei. Genau so mit einer radikalen Kritik an Herrschaft, die nur als eine Kritik des Kapitals, des Staates und des Rechts überhaupt sinnvoll sein kann. Stattdessen wird sich bei der Antifa Jugend auf die verschiedenen Ausprägungen (bürgerlichen) Rechtes berufen, wenn es gegen die AfD oder gegen Israel geht, an den (deutschen!) Staat appelliert, der dieses Recht durchsetzen soll und dann behauptet, dass auf Basis dessen der Kapitalismus abgeschafft werden könne. Neben der Hinwendung zur antiisraelischen Palästinabewegung erinnern ihr Rechts- und Staatsverständnis ebenso wie die vitalistische Anrufung “der Jugend” und des “Widerstandes an die Insignien stalinistischer Banden.

Wir verbleiben daher mit dem Appell an jüngere Genossinnen und Genossen:

Jugend raus aus der Antifa Jugend!


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