Wie in vielen anderen Städten auch, zeigte sich anlässlich des diesjährigen Frauenkampftags in Aachen, wie sehr es mit dem linken Feminismus bergab geht. Ein Teil der örtlichen Sol-Kundgebung schloss sich, wie vorher öffentlich angekündigt, der Demo des Frauenkampftagsbündnisses an.
Zulauf gab es also z.B. von einer Sol-Kungebungsteilnehmerin, die in Richtung Gegenprotestierern freimütig bekannte: “Israelische Frauen interessieren mich nicht!” Offensichtlich ist es nämlich so, dass am Frauenkampftag eben nicht allen Frauen Mut gemacht werden soll, Jüdinnen werden von der internationalen Solidarität ausgeschlossen. Ganz im Sinne des Intersektionalismus, sollte sich ihr mutmaßlich cis-männlicher Begleiter im weiteren Verlauf des Abends ebenfalls der Frauenkampftagsdemo anschließen und dort fortan mit einem “Kein Feminismus ohne den gemeinsamen Kampf der palästinensischen Frauen”-Schild herumwedeln. Ebenfalls anwesend war später eine Sol-Kundgebungsteilnehmerin, die im raunenden Ton rhetorisch in Richtung Gegenprotest fragte: “Sie wissen schon, dass die entführten Frauen IDF-Soldatinnen sind?” Wenn dies so ist, so die implizite Schlussfolgerung, muss die fortdauernde misogyne und sexualisierte Gewalt gegen die im Gazastreifen gefangen gehaltenen israelischen Frauen wohl legitim sein, wenn nicht gar als antikoloniale Gegengewalt gelten. Auf diesen wahnhaften Sinnzusammenhang hatten wir bereits am Vorabend des Spektakels hingewiesen. Soweit leider alles bekannt. Als dann zum Ende der Sol-Kundgebung doch noch gemeinsam ein feministischer Schlachtruf angestimmt werden sollte, bei dem so gut wie keiner der Anwesenden anstimmte, war klar, dass die Mehrheit wenig Interesse an der Erkämpfung emanzipatorischer Ziele, geschweige denn an Frauenrechten, hatte. Als zuvor “Free, Free Palestine” euphorisch angestimmt wurde, der internationale Schlachtruf zum Kampf gegen Israel, waren die Versammelten hingegen textsicher.
Mit “Palästina”-fahne waren diese Leute auf der Frauenkampftagsdemo zwar nicht gern gesehen, mehr Abgrenzung war jedoch nicht drinnen. Also flott das Banner der antisemitischen Internationalen eingerollt und auf zum letzten Gefecht, das sich vorerst als Abschlusskundgebung am Hauptbahnhof abspielte. Als dort der kurdische Studierendenverband den lautesten Applaus dafür erntete, irgendeinen imaginären feministischen Kampf in Gaza herbei zu halluzinieren, nur damit in der folgenden Rede das liebgewonnene Feindbild “Katholische Kirche” oder die AfD zum 100sten Male aufgewärmt werden konnte, zeigte deutlich: Israelhass und Antisemitismus müssen nicht erst durch die sol in die etablierte feministische Szene getragen werden, sie sind bereits da.
Dass sie sich vorerst nur subtil äußern und dies noch nicht ganz unwidersprochen tun können, wird auf Dauer wohl kaum eine Rolle spielen. Sie erkennen sich. Ob in Zukunft wieder Raum für eine Teilnahme jüdischer oder proisraelischer Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der zentralen Veranstaltung des feministischen Bündnis sein wird, bei der diese nicht permanent über die Schulter gucken müssen, bleibt abzuwarten, obwohl es angesichts dessen, was am 07.10. geschehen ist kaum ins Gewicht zu fallen scheint.

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