Am 14. Mai verabredeten sich antisemitische Mobster in Aachen zum Stelldichein. Besonders pikant: die Kundgebung war zunächst in Nähe der Synagoge geplant. Während diese Drohgebärde selbst den städtischen Behörden offenkundig war, welche die Meute an einen anderen Ort verwiesen, blieb sie der linken Aachener Szene-Postille ‘Tacheles’ verborgen, die in ihrer Rubrik “Protestkultur in Aachen” weder das Antisemiten-Treffen sowie die am selben Tag in Synagogen-Nähe abgehaltene prozionistische Solidaritätskundgebung noch die am Folgetag abgehaltene am Elisenbrunnen stattgefundene “Kundgebung gegen jeden Antisemitismus” führte – trotz linksautonomer Beteiligung.
Dabei darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden: Wenn Islamofaschisten mit Hisbollah- und Hamas-Fahnen, Graue Wölfe, versprengte Anti-Imps, nicht ganz so neue Nazis und friedensliebende Anhänger der radikalen Mitte gemeinsam aufmarschieren und hie und da auch mal einen Juden klatschen oder eine Synagoge attackieren, dann ist es wieder so weit: In Gaza, Ostjerusalem und der Westbank knallt’s und der Konflikt wird auf den Straßen Neuköllns, Marxlohs wie auch anderswo ausgetragen. Dass sich hier antisemitischer Hass und judenfeindliche Gewalt – “scheiß Juden”, “Tod Israel”, “Kindermörder Israel” etc. – im Rücken von bürgerlichen „Friedens“demonstrationen entladen durften, darf keinen mehr verwundern, gleicht die “legitime Israelkritik” doch seit Dekaden einem Chiffre für alte judenhetzerische Topoi, die auf Israel projiziert werden – Schändung von Kindern, Vergifter von Brunnen, entwurzelter Kosmopolitismus usw.
Es nahm daher kaum Wunder, dass sich am 14. Mai in der unmittelbaren Nähe des Eurogresses ein antisemitisches Potpourri von 500 Personen zusammenfand, um im Umfeld idyllischer Parkanlagen, Blumenbeete und Springbrunnen gegen den “ewigen Feind” zu wettern. Wenngleich der Protest samt und sonders unter dem Motto eines Friedens im Nahen Osten stand, so lieferte der unter der warmen Sonne gegrölte Schlager ‘From the river to the sea…’ Aufschluss darüber, was die Anwesenden sich unter Frieden vorstellen: Die Grabesruhe eines völkisch von Juden bereinigten Palästinas. In ihrem manichäischen Wahnbild tauchen die dem europäischen Antisemitismus im allgemeinen und der deutschen Vernichtungsmaschinerie im besonderen Entflohenen nur als Aggressoren auf, als Zersetzer ihrer heilen arabisch-islamisch-feudalen Welt, wo die fellachischen Bauern noch zünftig von syrischen oder persischen Großgrundbesitzern geknechtet wurden. So weit so schlecht.
Dass das kaum jemanden, den Großteil der antifaschistischen Linken eingeschlossen, juckt – wir haben eine tentative Erklärung dafür: Gerade in Aachen, Hand aufs Herz, geht man den schwierigen Fragen doch gerne aus dem Weg, am Ende macht man sich noch die Hände schmutzig. Von “Klartext reden” kann keine Rede sein.

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